
Dezember 2011:
Nightwish - Imaginaerum
Tracklist:
01. Taikatalvi
02. Storytime
03. Ghost River
04. Slow, Love, Slow
05. I Want My Tears Back
06. Scaretale
07. Arabesque
08. Turn Loose The Mermaids
09. Rest Calm
10. The Crow, The Owl And The Dove
11. Last Ride Of The Day
12. Song Of Myself
13. Imaginaerum
Nightwish ist wohl eine Band, die die Metalszene durchaus zu spalten vermag: Zum einen verfügen sie über eine große Fanbasis, zum anderen gibt es sehr viele, die die Band belächeln. Ehrlichgesagt zählte ich mich bis vor kurzem zu den letztgenannten. Zwar hatten Nightwish sicherlich den einen oder anderen "netten Song", aber ihre Alben haben sich mir nie so richtig erschließen wollen. Das lag warhscheinlich vor allem an Tarja Turunen, deren klassischer Soprangesang mir immer etwas zu aufdringlich war. Gekrönt wurde dieses Gefühl bei einem Festivalbesuch im altehrwürdigen Abtsgmünd im Jahr 2002, als Nightwish vor einer Band spielten, die ich unbedingt sehen wollte. Obwohl die Finnen auf der anderen Bühne spielten, hatte man keine Chance, sich dem Sound zu entziehen. Tarja Turunen hatte einen extrem (sagen wir dazu mal) valkürenhaften Tag erwischt und so kam es, dass dieser vermeintlich weit weg stattfindende Auftritt bei meinem kompletten Freundeskreis nahezu allergische Reaktionen hervorrief.
2005 trennten sich Nightwish bekanntlich von ihrer Sängerin, deren Platz ab 2007 dann Anette Olzon einnahm. Ihr Gesang war mir von anfang an symphatischer (wenngleich dieser als musikalisch schwächer bewertet wird), jedoch lag das Album "Dark Passion Play" deutlich unter meinen Erwartungen, was zur Folge hatte, dass ich Nightwish ziemlich aus den Augen verlor.
Dieser Zustand hielt an, bis es mich vor kurzem in einen Laden für CDs und weitere Medien verschlug und während ich munter am Stöbern war, war in der CD-Abteilung Metalsound vom Feinsten zu hören. Eine starke Produktion mit orchestralen Parts, Chören, einer weiblichen Leadstimme und auch einigen männlichen Gesangsparts war zu hören. Wie sich später herausstellte, hörte ich den Song "I Want My Tears Back". Auf Nachfrage erklärte mir die überaus freundliche Fachverkäuferin, dass es sich um Nightwish handelte. Ich stöberte weiter und lauschte nebenher im Hintergrund den nachfolgenden Songs "Scaretale", dem klassischen Instrumentalstück "Arabesque" und dem ruhigen "Turn Loose The Mermaids". "Allesamt klasse Songs", dachte ich. Dann folgte das atemberaubende "Rest Calm" und ich konnte eigentlich nicht mehr stöbern, sondern musste lauschen. Bei "The Crow, The Owl And The Dove" machte ich mich auf die Suche nach der Plattenverkäuferin, um zu fragen, ob es sich bei dem Gehörten um die aktuelle Scheibe von Nightwish handelte und wo die denn zu finden sei. Die Verkäuferin zeigte mir, wo "Imaginaerum" zu finden war und wies mich darauf hin, dass ich doch die Limited Edition nehmen sollte. "Die enthält neben dem regulären Album eine zweite CD mit allen Songs instrumental. Außerdem ist sie im Angebot und sogar billiger als die Original-Version". So etwas freut einen Schwaben natürlich :-).
An betreffender Stelle angekommen, lief "Last Ride Of The Day" - ein absoluter Wahnsinnstrack mit ordentlich Power, einem Refrain, der sofort ins Ohr geht und der trotzdem auch eine ordentliche Härte und Wucht an den Tag legt. Vielleicht der Beste Powermetalsong 2011. So kam ich also völlig unverhofft an den Tipp des Monats Dezember 2011. Es sei noch gesagt, dass neben den erwähnten Songs, die ich im Laden gehört habe, durchaus noch weitere großartige Tracks auf "Imaginaerum" enthalten sind: Der in vier Teile gegliederte "Song Of Myself", das Klassikstück "Imaginaerum", das das Album beschließt, oder auch "Storytime, "Ghost River" usw. Übrigens wurden die oben erwähnten orchestralen Parts von keinem geringeren als dem London Philharmonic Orchestra eingespielt! Wenn das mal keine Hausnummer ist...
Insgesamt liefern Nightwish mit "Imaginaerum" ein absolutes Hammeralbum ab. Allerdings muss gesagt werden, dass das Werk, das als Grundlage für einen Fantasyfilm dienen soll, sich von früheren Nightwish-Alben deutlich unterscheidet. Man darf gespannt sein, wie es die Fangemeinde aufnehmen wird. Ich - als jemand, der der Band in der Vergangenheit kritisch gegenüberstand - finde es überragend!
Abschließend sei der Fairness halber noch gesagt, dass ich dieses Jahr Tarja Turunen, die mittlerweile auf Solopfaden wandelt, live erlebt habe und sie durchaus einen stabilen Auftritt hingelegt hat - und so dreht sich alles zum Guten ;-).
Euer
DJ Martinez