Juni 2010:
Mägo De Oz - Atlantia (Gaia III)
Mit dem Tipp des Monats Juni 2010 möchte ich Euch eine Band präsentieren, die zu meinen persönlichen Favoriten zählt. Mägo De Oz sind international und damit auch in Deutschland nur wenig bekannt, während die (Metal-)Szene in Spanien große Stücke auf sie hält - und das mit recht. Ursprünglich als fünfköpfige Band gegründet, zählt Mägo De Oz (zu deutsch: Der Zauberer von Oz) aktuell zehn (!!!) Mitglieder. Anhand der Instrumentierung dürfte schnell klar sein, in welche Richtung es stilistisch bei Mägo De Oz geht. Neben der Metal-Besetzung mit Schlagzeug, Bass, Gesang und drei Gitarreros, kommen auch Keyboards, Akkordeon, Flöten, Dudelsäcke und Geigen zum Einsatz. Vermischt werden Hard-Rock, Metal, spanische Folklore und Irish Folk, sprich keltische Musik - daher auch die bandeigene Bezeichnung Celtic Metal. Ausnahmesänger José Andrëa könnte dem deutschen Publikum durch seinen Gastauftritt bei In Extremos "En Esta Noche" vom Album "Sängerkrieg" sein. Dies aber nur am Rande.
Die Einstiegsdroge, mit der mich der Zauberer von Oz bzw. Mägo De Oz in seinen Bann zog, war das Album "Gaia" aus dem Jahr 2003, das als ein Meilenstein in der Bandgeschichte gilt. Schnell besorgte ich mir weitere Alben, unter anderem auch "Gaia II". Bis dahin hatte ich nicht gewusst, dass "Gaia" als Trilogie gedacht war, deren dritter Teil nun im April 2010 erschienen ist. Zwar sind alle Alben von Mägo De Oz von absoluter Leichtigkeit, Abwechslung und Spielfreude geprägt, dennoch habe ich mich auf "Gaia III", das den Zusatz "Atlantia" trägt, besonders gefreut. Das Album kommt als Doppel-CD mit 16 Titeln und einer Gesamtspielzeit von 94 Minuten daher, was die Kreativität der Band noch zusätzlich unterstreicht.
Da die Band hauptsächlich in Spanisch, manchmal auch in Englisch oder zeilenweise in Latein singt, war ich umso mehr überrascht, dass Mägo De Oz auf "Atlantia" mit "Für Immer" einen deutschen Titel veröffentlichen. Zunächst dachte ich an ein Doro-Cover, jedoch handelt es sich um einen eigenen Song, der sich mit dem dunkelsten Kapitel der deutschen Geschichte sehr kritisch beschäftigt (übrigens wird nur die Refrainzeile in deutsch gesungen). Vor dem Hintergrund, dass die "Gaia"-Trilogie anhand einer fiktiven Geschichte Themen wie Inquisition, Eroberungen und den Umgang des Menschen mit der Natur und mit seinesgleichen behandelt, mag dieser Song durchaus in diese Konzeptreihe passen. Dass jedoch der Protagonist dieser Zeit zu Wort kommt, hätte aus meiner Sicht nicht sein müssen. Aber egal. Alle Songs auf "Atlantia - Gaia III" sind absolut gelungen.
Kenner der Band mögen kritisieren, dass
José Andrëa stimmlich nicht ganz so stark auftritt, als auf früheren Alben. Diese Kritik mag vielleicht berechtigt sein, allerdings fordern es die Songs nicht zwingend. Der letzte Track auf "Atlantia - Gaia III", der ebenfalls auf den Namen "Atlantia" hört, ist musikalisch der komplexeste Song, den Mägo De Oz je veröffentlicht haben. Ich gehe sogar so weit und behaupte, dass es in der gesamten Musikszene im Hinblick auf Epik, Atmosphäre, Abwechslung, Klangbreite und Gänsehautfaktor keinen vergleichbaren Titel gibt!!! Hier trifft Power-Metal auf Funk, Irish Folk auf theatralische Chöre - klassiche Parts und ruhige Stellen mit absoluten Gänsehautfaktor treffen auf ein Gitarrenbrett, das sich gewaschen hat. Die letzte gesungene Textzeile ist übrigens gleichzeitig die erste Zeile von "Gaia I", so dass sich der Kreis schließt. Meines Erachtens rechtfertigt allein dieser Song den Kauf des Doppel-Albums. Absoluter Wahnsinn. Doch auch alle anderen Songs packen und reißen mit. Wenn ich jedoch jeden einzelnen Song rezensieren würde, würde ich wohl noch mehrere Tage begeistert schreiben ;-).
Deshalb abschließend: Für mich ist "Atlantia - Gaia III" auf alle Fälle das stärkste Album der Trilogie, und damit auch das stärkste der Spanier. Absolut wärmste Kaufempfehlung!
Euer
DJ Martinez