April 2006:
Prince - 3121
1978 erscheint das Album "For You" des damals 19-jährigen Prince Rogers Nelson, der (und dessen Album übrigens auch) nicht sonderlich viel Aufsehen erregte. Vier Jahre später veröffentlicht eben dieser unbeachtete junge Herr unter dem Namen Prince sein drittes Album, das den Titel "1999" trägt. Die Singles "1999", "Delirious" und "Little Red Corvette" werden von den Radiostationen und von dem neu gegründeten Musiksender MTV rauf und runter gespielt. Spätestens mit dem darauffolgenden Filmalbum "Purple Rain", das neben der gleichnamigen Single auch den Smash-Hit "When Doves Cry" enthält, avanciert Prince endgültig zum Superstar und teilt sich den Pop-Olymp der 80er mit Madonna und Michael Jackson und steht ihnen in musikalischem Potential und auch in seiner Exzentrik in nichts nach.
Es folgen weitere Hits in den 80ern, die er entweder selber einspielt (z.B. "Kiss") oder für andere Künstler schreibt und produziert (z.B. "Nothing Compares 2 U" von Sinnead O'Connor). Anfang der 90er macht Prince weniger durch seine Musik, sondern vielmehr durch seine zahlreichen Namensänderungen auf sich aufmerksam (Symbol, TAFKAP, ...) und droht in der Versenkung zu verschwinden. Es werden zwar diverse Scheiben veröffentlicht, doch Prince scheint für die Musikindustrie nicht mehr sonderlich interessant zu sein und seinen musikalischen Zenith überschritten zu haben. Erst das Album "Musicology" aus dem Jahr 2004 findet wieder größere Beachtung, wird allerdings von zahlreichen Kritikern und Fans gleichermaßen als halbherzig abgetan.
Ende März 2006 ist es dann so weit: Der 1,58m kleine Tausendsassa aus Minneapolis veröffentlicht "3121", dessen Vorabsingle "Te Amo Corazon" schon für ordentlich Furore sorgt. Beim Clip führt nämlich keine geringere als Schauspielerin Selma Hayek Regie. Jedoch ist dieser heißblütige Liebessong, laut eigener Aussage des Maestros, kein Sound-Indikator für das Album. In der Tat - schon der erste Track "3121" verleitet dazu, den Regler etwas weiter aufzudrehen und auch "Lolita", "Fury", "Get On The Boat" oder "Love" überzeugen durch eine ordentliche Portion Funk, wie man ihn aus besten Prince-Zeiten kennt. "Black Sweat" fährt mit einem fetten Beat auf und dürfte auch die jüngere Generation überzeugen. Auch Balladen bzw. leichte Songs fehlen nicht auf dem Album, so das angesprochene "Te Amo Corazon" oder "The Dance". Das absolute Highlight des Albums stellt meiner Meinung nach aber der Song "The Word" dar - er verfügt einerseits über einen flotten Beat, andererseits aber über eine eingängige fast schon beruhigende Melodie. GENIAL!!!
Alles in allem halte ich "3121" für das beste Prince-Album seit langem. Einerseits klingt es modern und frisch, andererseits kann Prince seine Wurzeln in den 80ern nicht verbergen (und das ist auch gut so!!!). Zwei Dinge möchte ich allerdings etwas kritisch anmerken: Den nervigen (nennen wir ihn mal) Cher-Effekt (man erinnere sich an "Believe") bei "Incense And Candles" hätte man sich sparen können, genauso wie die Heliumstimme im Background von "3121", wobei die schon fast wieder witzig ist.
Dennoch ist nach Madonna (durch "Confessions On A Dancefloor") mit Prince durch "3121" ein weiterer Superstar aus den 80ern wieder auf den Pop-Olymp zurückgekehrt. Fehlt zum ultimativen Dreigestirn eigentlich nur noch, dass sich der King Of Pop mit einer neuen Veröffentlichung zurückmeldet. Die Hoffnung stirbt zuletzt...
Euer
DJ Martinez