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Juni 2005: System Of A Down - Mezmerize

Als ich zum ersten Mal den Sound von System Of A Down gehört habe, dachte ich mir „was ist DAS denn?“ bzw. „wie krank sind DIE denn?“. Als ich mich dann allerdings etwas näher mit der Band beschäftigte, bemerkte ich, wie genial doch die Songs von System Of A Down sind – obwohl ich die Jungs immer noch für krank halte *g*. Es gibt eigentlich keine Band, die ähnlich klingt, wie die vier Exil-Armenier. Sie lassen sich am ehesten der NuMetal-Schiene zuordnen. Der Sound ist roh, laut, wild, hektisch und arhythmisch, allerdings auch mit ruhigen, melodischen Passagen. Die Texte sind teilweise politisch ernst, meistens aber mit einer ordentlichen Portion Humor versehen.

Mit „Mezmerize“ bringen System Of A Down ihr mittlerweile viertes Studioalbum heraus – und ich muss sagen, sie haben mich sehr überrascht. Zum einen, weil der Gitarrist und Kopf der Band Daron Malakian, der auf den früheren Alben nur im Background gesungen hat, zur zweiten Leadstimme neben Serj Tankian geworden ist, zum anderen, weil die Scheibe verhältnismäßig experimentell und für System Of A Down-Verhältnisse fast schon melodisch klingt.

Das ruhige Intro „Soldier Side“ führt den zweistimmigen Gesang bei System Of A Down offiziell ein, bevor dann der Song „B.Y.O.B.“ typisch System Of A Down-mäßig los kracht. Der Song „Revenga“ mit seinem marschmäßigen Refrain hat mich sehr überrascht, zählt aber zu meinen persönlichen Favoriten auf dem Album. Weiter geht’s mit „Cigaro“, dem meines Erachtens stärksten Song auf „Mezmerize“. Zwar etwas hart, aber trotzdem genial. „Radio/Video“, der fünfte Track, ist sehr abwechslungsreich und experimentell. Sinnliche, melodische Parts und krachende Riffs wechseln sich ab. Zudem wurden Polka-Elemente (!!!) verarbeitet. Klasse. „This Cocaine Makes Me Feel Like I'm On This Song” – der Name ist Programm. Ein lustiger Song, der teilweise recht schizophren klingt. Es folgt „Violent Pornography“ mit seinen sehr schnell gesungenen Strophen, die trotzdem zum Mitsingen verleiten, zumal auch Menschen, die der englischen Sprache nicht sonderlich mächtig sind, schnell verstehen, worum es im Song geht ;-). Der achte Song „Question“ ist ein Meisterstück. Am Anfang sinnlich melodisch, dann speedmetallisch und zum Schluss total durchgeknallt. Hervorragend. Bei „Sad Statue“ gibt’s Gitarrensound vom feinsten mit hohem Abgeh-Faktor. Bei Lied 10 – „Oldschool Hollywood“ – kommen erstmals auf einem System Of A Down-Album Synthesizer-Effekte zum Einsatz. Zwar etwas seltsam, aber trotzdem originell und witzig. Letzter Track des Albums ist „Lost In Hollywood“ – eine Ballade (Ihr lest richtig – die haben da ne Ballade draufgemacht), die ausschließlich vom Gitarristen Daron gesungen wird. Zwar sehr schwer, aber trotzdem geil.

Fazit – ein hammergeiles Album, das die Jungs da abgeliefert haben. Einziger Wehrmutstropfen und gleichzeitig Kritikpunkt: ES IST ZU KURZ!!! Und vor dem Hintergrund, dass Ende des Jahres mit „Hypnotize“ noch ein zweites Album kommen wird, kommt der Verdacht auf, dass hier die Plattenfirma wohl ein bisschen mehr Geld verdienen will, als das mit einem Doppelalbum der Fall gewesen wäre. Aber wir wissen ja: Nicht die geizigen Plattenfirmen, mit ihrer überzogenen Preispolitik, sondern die bösen Raubkopierer und Internettauschbörsenbenutzer sind an den allgemein zurückgehenden Verkaufszahlen schuld.

Euer

DJ Martinez

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