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Juni 2006: Lordi - The Arockalypse

Normalerweise bemerkt man es erst Jahre später, wenn Musikgeschichte geschrieben wurde. Doch am Abend des 20. Mai 2006, so gegen kurz vor 23.30 Uhr, wusste jeder, der das Spektakel mitverfolgt hatte, dass es so etwas noch nie zuvor gegeben hatte: Eine Hard-Rock-Band gewinnt den European Song Contest, also den modernisierten Grand Prix Eurovision de la Chanson. Die komplette Heavy-Metal-Fraktion Europas hatte sich vereint um die "Arockalypse" heraufzubeschwören, die Schock-Rocker von Lordi mit ihrem Titel "Hard Rock Hallelujah"auf den ersten Platz zu wählen und sämtlichen Schlagerstars, ihren Fans und den Songschreibern einen gehörigen Tritt in den Arsch zu verpassen. Waren Lordi zuvor eigentlich nur in Finnland und in Insiderkreisen bekannt, sprach über Nacht ganz Europa über den Fünfer aus dem kalten Norden. Ihre Fratzen zierten die Titelseiten der Tages- und Klatschpresse und die Bildzeitung berichtete 1 1/2 Wochen in jeder Ausgabe über die Finnen. Dabei wurde allerdings mehr über ihre Optik, die der von Gwar, Slipknot oder Marilyn Manson ähnelt, berichtet, als über die Musik. Grund genug, sich hier mit dem aktuellen Album "The Arockalypse" - dem dritten Lordi-Album - zu beschäftigen.

Soundmäßg bewegen sich Lordi irgendwo zwischen Accept, Monster Magnet, Sentenced und dem Alice Cooper der späten 80er/ frühen 90er. Ein (meineserachtens viel zu langes) Intro, auf dem übrigens Dee Snider (Twisted Sister) zu hören ist, eröffnet "The Arockalypse". Nach 3:46 geht's dann endlich los: "Bringing Back The Balls Of Rock" geht sofort in die Vollen und dürfte Mainstream-Anänger ziemlich erschrecken. Doch nur am Anfang des Songs klingen Lordi so krank, wie sie aussehen. Der Refrain ist hymnenhaft und geht sofort ins Ohr, was übrigens bei ausnahmslos allen Songs auf "The Arockalypse" der Fall ist. Balladen sucht man vergeblich auf dem Album. Auch das etwas ruhiger gehaltene "It Snows In Hell" klingt ziemlich mächtig. Erwähnenswert ist außerdem der Song "They Only Come Out At Night", bei dem die Accept-Legende Udo Dirkschneider teilweise die Vocals übernimmt. "Who's Your Daddy?" hätte auch auf Alice Coopers Album "Hey Stoopid" gepasst, "The Kids Who Wanna Play With The Dead" oder auch "The Chainsaw Buffet" lässt die Fans der mittlerweile leider aufgelösten Sentenced sich an ihre Helden zurückerinnern und über "Hard Rock Hallelujah" braucht ja an dieser Stelle nicht mehr viel gesagt werden. Insgesamt beschwören die Finnen auf elf Songs (+ Intro) die "Arockalypse" herauf.

Vom musikalischen Anspruch her gesehen leisten Lordi nichts wirklich großartiges (auf aufwändige Tempowechsel, schwierige Gitarrenparts, Überraschungs- momente oder Innovationen wartet man vergeblich). Allerdings strotzen die Songs vor Ohrwurmtauglichkeit und Hymnenhaftigkeit und so wirkt das Album keinesfalls langweilig. Auf alle Fälle hörenswert...

Euer

DJ Martinez


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