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Juli 2006:
Blind Guardian - A Twist In The Myth

Was wurde alles über die Saubermänner des deutschen Heavy-Metal in jüngster Vergangenheit spekuliert und geredet? Waren Blind Guardian doch eine Band, die seit ihrem 1988er Debut-Album "Battalions Of Fear" in der gleichen Besetzung spielte. Außer musikalisches gab es von den vier Jungs aus Krefeld nichts zu hören. Keine Skandale, keine Exzesse, keine sonstigen Schlagzeilen. Trotzdem erlangte die Band Weltruhm und schaffte beachtliche Charterfolge in Europa, Südamerika und Asien.

Umso mehr horchten Fans und Presse gleichermaßen auf, als im April 2005 der Schlagzeuger und Publikumsliebling Thomen Stauch seinen Ausstieg aus der Band bekannt gab. Als Grund wurden musikalische Differenzen angegeben, und böse Zungen beschworen schon das Ende der Band herauf. Weit gefehlt: Acht Monate später veröffentlichen Blind Guardian (Hansi Kürsch, Andre Olbrich, Magnus Siepen und der neue Drummer Frederik Ehmke) die Vorabsingle "Fly" des Albums "A Twist In The Myth" und beenden damit alle Spekulationen. Aufgrund einer Mittelohrentzündung von Sänger Hansi Kürsch verzögerten sich die Arbeiten am Album und so wird das gute Stück erst im September 2006 erscheinen. Ich hatte allerdings das Glück, vorab eine Promo-CD zu erhalten und werde sie deshalb an dieser Stelle für Euch rezensieren. Ich muss gestehen, ich ging mit gemischten Gefühlen an die Scheibe heran, da ich mit ihrem Vorgänger "A Night At The Opera" aus dem Jahr 2002 (die "Live" lasse ich mal außen vor) nicht sonderlich viel anfangen konnte. (Mir war sie zu anstrengend und vor Komplexität schon fast zu erdrückend).

Und so schiebe ich "A Twist In The Myth" in den CD-Player. "This Will Never End" heißt der Opener des Albums - schnell, metallisch, mit den gewohnten Chören beim Refrain. Schon die Erkenntnis, dass der Track metallisch klingt, nimmt mir die anfängliche Skepsis. Blind Guardian klingen wie zu "Imaginations..."-Zeiten. Genauso geht's weiter bei "Otherland". Es folgt "Turn The Page", das weder was mit Bob Segers Song, noch mit Metallicas Cover desselbigen zu tun hat. Eine sehr fröhliche Nummer - man könnte sie schon fast als Partysong im Blind Guardian-Sound bezeichnen. Der dürfte live ziemlichen Ausnahmezustand vor der Bühne verursachen. Track vier - "Fly" - rockt ebenfalls. "Carry The Blessed Home" ist die erste Ballade auf dem Album. Allerdings mit mächtigem Refrain und Dudelsäcken. "Another Stranger Me" beginnt ziemlich traditionell-metallisch, schwingt sich aber schnell zu einem Opus empor. Für mich neben "Turn The Page" der stärkste Track auf "A Twist In The Myth". "Straight Through The Mirror" zählt zu den schnelleren Tracks des Albums und verlangt dem neuen Drummer Frederik so einiges ab. Auch der folgende Song "Lionheart" schlägt in diese Kerbe. "Skald And Shadows" ist die zweite Ballade. Sie erinnert stark an "The Bard's Song: In The Forest" und dürfte live von den Fans wohl ähnlich frenetisch zelebriert werden. "The Edge" geht nochmal in die Vollen: Schlagzeuggewitter, Gitarreninferno und Guardian-Chöre, bevor die vier Jungs mit "The New Order" das "A Twist In Myth"-Buch wieder schließen.

Alles in allem muss ich sagen, dass meine Skepsis wohl unberechtigt war. Blind Guardian klingen auf "A Twist In The Myth" lange nicht so erdrückend, wie noch auf "A Night At The Opera". Der neue Silberling lässt sich eher mit "Imaginations From The Other Side" vergleichen. Die Songs sind zwar komplex, aber dennoch nicht anstrengend. Die vielen orchestralen Parts, die noch auf "A Night At The Opera" Verwendung fanden, wurden durch metallische Parts ersetzt. Blind Guardian gehen somit zwar wieder ein Stückchen "Back To The Roots", was aber keinesfalls als Rückschritt gewertet werden darf. Bleibt nur noch die Frage, warum Thomen dann gegangen ist, war er doch der Verfechter des Metal bei Blind Guardian. Das kann ich Euch allerdings nicht beantworten. Im September - wie gesagt - könnt Ihr Euch selbst von "A Twist In The Myth" und auch von Blind Guardians Live-Qualitäten überzeugen. Ich werd's mir anschauen...

 

Euer

DJ Martinez


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