August 2006:
Billy Talent - II
Billy Talent - auf den ersten Blick könnte man einen exzentrischen Rocksänger hinter diesem Namen vermuten. Doch weit gefehlt: Bei Billy Talent handelt es sich um den erfolgreichsten Rock-Act der letzten Jahre in Kanada. Hierzulande noch nicht sonderlich bekannt (außer den Playstation-Zockern), räumte der Vierer in Kanada in der Vergangenheit sämtliche Newcomer-Awards ab. Doch die Band als Newcomer zu bezeichnen, halte ich für etwas unglücklich, besteht sie doch in dieser Besetzung (allerdings unter anderem Namen) schon seit elf Jahren. Aus rechtlichen Gründen (es gab einen Konflikt mit einer anderen Band, die ebenfalls unter dem damaligen Namen "Pezz" auftrat) erfolgte 1999 in Ahnlehnung an eine Figur aus dem Film "Hard Core Logo" die Umbenennung in Billy Talent. 2001 erschien dann die EP "Try Honesty", bevor 2003 das Debut-Album "Billy Talent" veröffentlicht wurde. Das Album erreichte in Kanada Doppel-Platin und sorgte weltweit für Aufsehen, weshalb die Ankündigung des zweiten Albums vor einigen Monaten einiges an Erwartungen aufkommen ließ.
Seit 23. Juni liegt er nun also vor, der mit Spannung erwartete zweite Silberling aus dem Hause Talent - schlicht mit "II" betitelt. Oft wird ihr Sound mit dem von Green Day verglichen, doch Billy Talent haben ihren ganz eigenen Stil, der sie zwar in die Punk-Ecke rückt, doch mit Drei-Akkord-Spaßmucke hat ihr eigens betitelter Stil "Screamo" (Emo mit schreienden Vocals) eigentlich wenig bzw. gar nichts zu tun (wobei ich an dieser Stelle erwähnen muss, dass ich mit Drei-Akkord-Spaßmucke nicht unbedingt Green Day meine).
Schon vor erscheinen des Albums "II" tritt die Vorabsingle "Devil In A Midnight Mass" den Siegeszug von Billy Talent an. Der Song wurde in gleich fünf Kategorien des wichtigsten kanadischen Video-Awards, dem "Much Music Award", nominiert ("Best Video", "Best Director", "Best Post Production", "Best Cinematography" und "Best Rock Video"). Genau diese Single eröffnet das Album "II". Schnell und kompromisslos gehen Billy Talent sofort in die Vollen, bevor Sänger Ben Kowalewicz zum Ende des Tracks förmlich explodiert. "Screamo" eben. "Red Flag" erhält das vorgelegte Tempo aufrecht und schlägt in die gleiche Kerbe. Der dritte Song "This Suffering" nimmt etwas das Tempo jedoch nicht die Härte heraus. Es folgt mit "Worker Bees" ein sehr abwechslungsreicher Song, mit Abhüpf-Parts und melodischem Refrain. Beim fünften Track "Pins And Needles" weiß man, warum die Band gerne mit Green Day verglichen wird - erinnert Ben in den Vocal-Parts doch ein bißchen an Billie Joe Armstrong. Es folgt "Fallen Leaves", der ebenfalls kollektives Hüpfen bei den Zuhörern auslösen dürfte. "Where Is The Line?" fragen die vier Jungs aus Kanada beim siebten Track, der, obwohl es der Titel nicht unbedingt vermuten lässt, eher zur fröhlichen Sorte gehört. Es folgen "Covered In Cowardice", bei dem wieder sehr deutlich wird, was die Band mit "Screamo" meint, das ruhige, aber dennoch sehr kraftvolle "Surrender" und der mit 4:36 Minuten längste Song des Albums "The Navy Song". "Perfect World" gehört wie sein Nachfolger "Sympathy" wieder zur schnelleren Sorte, bevor "Burn The Evidence" das Album abschließt.
Ich habe absichtlich jeden der dreizehn Songs in meinem Bericht erwähnt, da man keinen dieser Songs unterschlagen sollte. Alle Songs strotzen nur so vor Abwechslungsreichtum, und das Album wird in keiner Sekunde langweilig. Mal melodisch, mal aggressiv, mal zum Abhüpfen, mal gefühlvoll treffen Billy Talent den Zahn der Zeit und so verleihe ich dem Album "II" das Prädikat "ABSOLUTER KAUFTIPP".
Euer
DJ Martinez