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November 2006:
Robbie Williams - Rudebox

Gut ein Jahr ist es her, dass Robbie Williams Album "Intensive Care" in den deutschen Albumcharts von null auf eins einstieg und (mal wieder) alle Rekorde brach. Doch was sich beim Vorverkauf für die "Intensive Care Tour 2006" in Deutschland abspielte, hatte es wahrscheinlich noch nicht mal bei den Beatles gegeben. Alle Konzerte im deutschsprachigen Raum (Deutschland, Österreich, Schweiz) waren innerhalb weniger Minuten ausverkauft, und so spielte Robbie Williams anstatt der acht geplanten Auftritte, 17 Konzerte!!! Noch bevor die Tour startete, überraschte Robbie Williams mit der Nachricht, 2006 ein weiteres Album zu veröffentlichen, das den Arbeitstitel "1974" (Anmerkung: sein Geburtsjahr) trug, jedoch kurz vor Veröffentlichung in "Rudebox" umbenannt wurde.

Auf dem Album sollten verschiedene Gäste zu hören sein, wodurch schnell klar wurde, dass "Rudebox" nicht unbedingt ein klassisches Robbie-Williams-Pop-Rock-Album werden sollte. So fanden sich unter den Gästen unter anderem die Pet Shop Boys, William Orbit oder Mark Ronson. Dass Robbie Williams auf manchen Konzerten schon die gleichnamige Vorabsingle "Rudebox" zum Besten gab, steigerte zum einen die Neugier der Fans und Kritiker, gleichzeitig aber auch deren Skepsis, war sie doch alles andere, als was sie von Robbie Williams gewohnt waren. In einem Interview bezeichnete Robbie Williams "Rudebox" als sein bisher persönlichstes Album, doch würde er es wagen, den Großteil seiner Fans mit einem experimentellen Album vor den Kopf zu stoßen? Die Antwort ist definitiv JA.

Robbie Williams verwendet auf "Rudebox" sehr viele Elektro- bzw. Danceelemente und rappt auch ganz gerne zu fetten Beats (z.B. bei "Rudebox", "Keep On" oder "Good Doctor"), was ihm prinzipiell gut steht - das wissen wir seit "Rock DJ". "Viva Life On Mars" wird von Kritikern als DIE Country-Space-Funk-Technicolor-Pophymne schlechthin bezeichnet, und in der Tat dürfte der Song auf jeder Party für gute Laune sorgen. "Lovelight" hört sich irgendwie nach Jamiroquai an und auch das Electrohouse-lastige "The Actor" und das schwer zu beschreibende "Never Touch That Switch", bei dem mir eigentlich nur das Wort "deep" einfällt, sind klasse Songs. Mit der Coverversion "Louise" verbeugt sich Robbie vor den 80er-Synthie-Pop-Veteranen von Human League, wobei der Song, genauso wie "Burslem Normals" meines Erachtens etwas vor sich hinsäuselt. "We're The Pet Shop Boys" (mit den Pet Shop Boys als Gästen) und "Kiss Me" sind wieder klassische Disco-House-Nummern, wobei sich ersterer sehr am Sound seiner Namensgeber orientiert. In "The 80's" erläutert Robbie seine Sicht der 80er Jahre, bevor er in "The 90's" ziemlich offen seine Zeit bei Take That verarbeitet. Bleiben noch das poppige "She's Madonna" und das Robbie Williams-typische "Summertime" zu erwähnen, bevor ich zum absoluten Highlight des Albums komme: Die Manu Chao Coverversion "Bongo Bong" und "Je Ne T'Aime Plus" (eigentlich ein Song), den Robbie in fetzige Beats hüllt und so dem ohnehin schon klasse Song noch weiteren Drive verleiht. Absolute Weltklasse und mit Sicherheit ein Tanzflächenfüller.

Mit Ausnahme der zwei angesprochenen "Säuselsongs", halte ich das Album für absolute Spitze. Allerdings sollte man sich vor dem Kauf darüber im Klaren sein, dass es sich bei "Rudebox" um etwas bei Robbie Williams noch nie Dagewesenes handelt. Erwartet man ein Album im Stil seiner "klassischen" Scheiben (beispielsweise "Sing When You're Winning" oder "Life Thru A Lens"), wird man wohl enttäuscht sein, vor allem, wenn man mit elektronischer Musik nicht sonderlich viel anfangen kann. Geht man allerdings etwas offener an die Sache heran und wertet "Rudebox", wie in etwa "Swing When You're Winning", als ein ernst gemeintes, aber dennoch spaßiges Experiment, so ist es sicher eine Bereicherung für den Plattenschrank.

 

Euer

DJ Martinez


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