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Dezember 2006: Seeed - Live

2006 ist nun so gut wie vorbei - und die Fußball-WM im eigenen Land wird uns wohl noch sehr lange in guter Erinnerung bleiben. Das hat zwar auf den ersten Blick so gut wie nichts mit der Band zu tun, deren Platte der Tipp des Monats Dezember ist, beim näheren Hinsehen gibt's aber doch die eine oder andere Gemeinsamkeit. Erstens: Die Band stammt ebenfalls aus Deutschland, genauer gesagt Berlin, zweitens könnte man sagen, dass sowohl bei der deutschen Nationalmannschaft auf dem Fußballplatz, als auch bei Seeed auf der Bühne das Motto lautet: "Elf Freunde müsst Ihr sein". Ihr habt richtig gelesen - Seeed bestehen aus elf Bandmitgliedern. Rechnet man DJ Luke, der dieses Jahr DJ Illvibe vertrat bzw. vertritt, sind's sogar zwölf Musiker, die Seeed an den Start bringt. Quasi ist DJ Luke der "zwölfte Mann", der die Mannschaft nach vorne peitscht. Nun aber Schluss mit dem ganzen Fußballgeschwätz (war eigentlich nur der Einleitung wegen) - jetzt zur Musik...

Man kann in Seeed eigentlich sehen was man will: HipHop, Dancehall, Reggae oder was auch immer. Jedenfalls begeistern sie auf ihren Platten durch abwechslungsreiche Riddims (zu deutsch: Rhythmen), Wortwitz und unglaublichen Groove. Kurz vor Weihnachten wirft der Elfer nun eine Live-CD auf den Markt und man mag sich fragen, ob es sich hierbei auch um das typische "Wir-haben-mal-wieder-nichts-Neues-möchten-aber-an-Weihnachten-gerne-Geld-verdienen-also-lasst-uns-eine-Livescheibe-oder-BestOf-rausbringen"-Syndrom handelt, das sich in den letzten Jahren in der gesamten Musikindustrie breit gemacht hat. Die Antwort ist ganz klar NEIN, denn schon nach dem Intro und dem einsetzenden Song "Wir sind Seeed - Reeemix" merkt man, dass es sich hier nicht um irgendwelche zweitklassige Konzertmitschnitte handelt, sondern um eine vollgetankte Diesellok, die Kraft entfaltet, wie sie wahrscheinlich nur auf Heavy-Metal-Konzerten anzutreffen ist (keine HipHop-Drummachine, sondern Schlagzeuger und Bassist).

Auf "Live" sind alle Hits der Berliner Combo vertreten ("Dickes B", "Music Monks", "Ding", "Schwinger"...) mit etwas verstärktem Fokus auf das Album "Next!", aus dessen Tour die einzelnen Mitschnitte größtenteils stammen. Die Songs entwickeln live eine noch höhere Dynamik, als die Studioaufnahmen und schon das macht das Album absolut kaufenswert. Beispielsweise übertrumpft der Song "Goose Bumps" seine Studioversion bei Weitem. Allerdings fehlt leider der meines Erachtens beste Song von Seeed ("Papa Noah" aus der International Version des Albums "Music Monks"), doch die Wehmut ist überwunden, noch bevor ich diese Zeile geschrieben habe.

Dass das Album eher in Richtung Reggae, als in Richtung HipHop tendiert, dürfte dem Elfer (nicht zu verwechseln mit Elfmeter) sicherlich auch Fans innerhalb anderer Musikfraktionen bringen. Eigentlich ist es auch egal, unter welchem Fachbegriff Seeed laufen - es groovt, es rockt, es reißt mit und macht Spaß. Das zählt und macht gute Musik aus. HAMMERALBUM.

 

Euer

DJ Martinez


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