April 2007:
Kein Tipp - dafür ein Kommentar
Besucher, die regelmäßig diese Seite und auch diese Rubrik, besuchen, werden sich wahrscheinlich wundern, an dieser Stelle keinen Tipp des Monats sondern einen Kommentar meinerseits vorzufinden. Das hat einen einfachen Grund, den ich am besten erläutern kann, indem ich kurz erläutere, wie die Auswahl des Tipp des Monats erfolgt, bzw. welche Kriterien ein Album meiner Meinung nach erfüllen muss.
Die Rubrik Tipp des Monats heißt genau deshalb Tipp des Monats (und nicht beispielsweise Album des Monats), weil hier Platten empfohlen werden, die vom Schreiber - also meiner Person - guten Gewissens weiterempfohlen werden können, und nicht weil vorab ein riesen Hype darum gemacht wird. So schaue ich mich monatlich nach guten Scheiben um, die nicht zwangsweise von großen oder bekannten Künstlern stammen müssen. Manchmal werden sie mir zugeschickt oder einfach zugesteckt, manchmal warte ich auf bestimmte Platten, die noch nicht erschienen sind und man keine Promo vorab bekommt (was dann erklärt, warum der Tipp nicht pünktlich zu Monatsersten erscheint) und manchmal entdecke ich Scheiben, die über Jahre hinweg einfach nicht beachtet wurden oder im Ausland der totale Renner sind, in Deutschland hingegen (noch) nicht sonderlich bekannt sind.
Im März 07, als ich mich nach geeignetem Material für den Tipp des Monats April umschaute, ereilte mich ein Dilemma, das ich, als ich die Rubrik ins Leben gerufen habe, nicht erwartet hatte: Kein Album hat mich so überzeugt, dass ich es gerne weiterempfehlen wollte. So entschied ich mich kurzerhand dazu, auf das neue Album der fantastischen Vier zu warten, schließlich waren die letzten Alben allesamt Knaller. Doch was die Jungs aus Stuttgart mit "Fornika" an den Start brachten, war meiner Meinung nach mehr als enttäuschend, weshalb ich auch keine Zeit dafür verschwenden wollte, diese Scheibe zu rezensieren. Kurz entschlossen ging ich in den Plattenladen meines Vertrauens, um hier eventuell etwas Interessantes zu finden. So schaute ich sowohl nach neuem Material, als auch nach Scheiben, die sich verstaubt in irgendwelchen dunklen Ecken verkrochen - doch leider war mein Ergebnis auch dieses Mal negativ, so dass der Tipp des Monats April auch kurz vor Ablauf des Monats noch nicht online war.
Sicherlich fragt Ihr Euch jetzt, warum ich Euch das erzähle. Dieser Kommentar soll weniger als Rechtfertigung dienen, sondern eher als ein Seitenhieb auf die doch ach so um ihre Existenz kämpfende Musikindustrie verstanden werden. Ständig hört man Meldungen über Schäden, die durch Raubkopierer entstehen, und dass keine Platten mehr verkauft würden. Zum einen finde ich es einfach lachhaft, wenn die Industrie von Schäden spricht, da es sich um Umsatzeinbußen handelt und per Definition Umsatzeinbußen von Schäden ganz klar zu unterscheiden sind, zum anderen sollte sich die Industrie vielleicht auch einmal woanders die Gründe suchen. Sicher tragen Internettauschbörsen ihren Teil dazu bei. Andererseits bin ich ganz klar der Meinung, dass die Musikindustrie die Chancen, die sich durch das Internet ergeben haben, durch ihre störrische und ablehnende Haltung einfach verschlafen hat. Dazu kommt dann natürlich, dass wegen der Profitgier keine Experimente bzgl. Bandverpflichtungen unternommen werden. Nur totsichere (nennen wir es mal) Konzepte erhalten ihre Chance. Das führt letztendlich dazu, dass frische Winde, die die Szene aufwirbeln könnten, schon im Ansatz geblockt werden, wodurch die Szene als solches stagniert. So kommt es, dass über mehrere Wochen keine erwähnenswerte Scheibe erscheint. Klar, das Radio findet immer irgendwas, was man pushen könnte, wobei auch hier ganz klar die Fäden von der Industrie gezogen werden. Aber so wird die Szene für den potentiellen Käufer und auch als solche für sich uninteressant, und wenn man kein Album mehr blind kaufen kann, so verwundert es sicher nicht, dass viele Leute es vorziehen, sich die Musik illegal über irgendwelche Internetquellen zu besorgen, anstatt völlig überhöhte Preise zu bezahlen. Versteht mich nicht falsch: Ich bin jemand, der sich durchaus auch darüber im Klaren ist, was Raubkopiererei anrichtet, denn am allermeisten wird den Künstlern geschadet. Große Namen, wie beispielswese Bon Jovi oder Metallica, stecken das locker weg. Kleinen, aufstrebenden Bands oder Künstlern bricht es in der Vielzahl der Fälle das Genick. SIE sollten auf die Barrikaden gehen, und nicht die Industrie, die jammert, dass sie zu wenig Geld verdient.
Ich bin jemand, der monatlich sehr viel Geld für CDs und Schallplatten ausgibt, doch ich verstehe auch die Menschen, die sich über Tauschbörsen die Musik besorgen - aus den angesprochenen Gründen.
Ich könnte über dieses Thema noch stundenlang schreiben, aber ich denke, es ist (zumindest im Ansatz) rübergekommen, was ich sagen will. Wir sehen uns beim nächsten Tipp des Monats...
Euer
DJ Martinez