Juli 2007:
Wir sind Helden - Soundso
2003 war deutschsprachige Musik auf einmal wieder in. Die sogenannte Neue neue deutsche Welle schwappte durch die deutschsprachigen Länder und brachte Acts wie Silbermond, Juli oder Christina Stürmer beachtliche Charterfolge. Ein Vorreiter dieser Bewegung ist sicherlich - wenn auch zu Unrecht in einem Atemzug mit den beschriebenen Acts genannt - die Band, deren neues Album als Tipp des Monats Juli in dieser Rubrik betrachtet wird: Wir sind Helden aus Berlin. Zu Unrecht zum einen deshalb, weil diese Band in punkto Wortwitz und Kreativität den genannten bei Weitem überlegen war bzw. ist, zum anderen, weil sie eher der Punk- als der Popschiene zuzuordnen ist.
"Soundso" ist nach "Die Reklamation" und "Von hier an blind" das dritte Studioalbum des Quartetts um Judith Holofernes. Die oben angesprochenen Eigenschaften (oder besser Tugenden) der Band zeigt gleich der Opener des Albums: "(Ode) an die Arbeit": (Wort-)witzig, schräg und fetzig. Noch etwas fetziger gehen die Helden bei "Die Konkurrenz" und bei "Endlich ein Grund zur Panik" zu Werke, wobei der Letztere für mich gleichzeitig auch den besten Song des Albums darstellt, vielleicht auch deshalb, weil er mich irgendwie (warum auch immer) an die erste Single "Guten Tag" erinnert. Doch die Berliner schlagen auch ruhigere Klänge an, beispielsweise beim melodischen "Soundso", beim überragenden "Für nichts garantieren" oder beim nachdenklichen "Labyrinth". Etwas erstaunt war ich, als ich beim Durchlesen der Titelliste des Albums einen englischen Titel "The Geek (Shall Inherit)" entdeckt hatte, doch der Schein trog: Die Helden singen auch hier (bis auf ein paar Sätze) deusch. Ebenfalls zu erwähnen ist "Der Krieg kommt schneller zurück als denkst", ein Song, der sofort ins Ohr geht und da auch eine ganze Weile bleibt.
Mit ihrem dritten Album liefern die Helden ein sehr abwechslungsreiches Album ab, das zwar etwas ruhiger als die beiden Vorgänger ausgefallen ist, was die Qualität der Scheibe allerdings keinesfalls schmälert, zumal sich Wir sind Helden einmal mehr auf hohem sprachlichen Niveau bewegen. Spätestens jetzt sollten die Vergleiche zum seichten Deutschpop, den Juli, Stürmer und Co fabrizieren ein Ende haben.
Euer
DJ Martinez