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September 2009:
Dellé - Before I Grow Old

Frank Alessa Dellé ist neben Pier Baigorry und Demba Nabé einer der drei Frontmänner von Seeed. Die elfköpfige Band aus Berlin gab beim Abschlusskonzert der letzten Tour im August 2007 eine bis Ende 2009 andauernde Bandpause bekannt, damit sich die Mitglieder ihren Familien und ihre Soloprojekten widmen könnten. Demba stieg als erster mit seinem Soloprojekt bzw. -album "Boundzound" in den Ring und konnte beide Singleauskopplungen (wenn auch nur kurz) in den deutschen Singlecharts platzieren. Pierre aka. Enuf aka. Peter Fox trat mit seinem Album "Stadtaffe" einen Siegeszug im gesamten deutschsprachigen Raum an, erhielt mehrfach Gold und Platin für Album und Singles und gewann zudem drei Echos und zwei Cometen. Nun liegt mit Dellés Album "Before I Grow Old" das dritte Solowerk aus den Seeed-Reihen vor.

Dellé ist bei Seeed bekanntermaßen für die Reggae-Vibes zuständig, insofern überrascht es nicht, dass er mit "Before I Grow Old" ein klassisches Roots-Reggae-Album präsentiert. Laut Frank Dellé wurde er vor allem durch Marco Baresi, dem Drummer von Gentlemans Far East Band darin bestärkt, ein Soloalbum aufzunehmen. Die Umsetzung erfolgte dann mit Produzent Guido Craveiro - wohl einem der namhaftesten Produzenten in der deutschen Reggae-Szene. Das Ergebnis sind 15 Songs (+ einem Hidden-Track, dazu später aber mehr) mit einer Gesamtspielzeit von knapp 70 Minuten - 'ne ordentliche Packung wenn man bedenkt, dass Dellé ursprünglich gegen die Seeed-Pause war.

Wie es für Roots-Reggae üblich ist, kommt "Before I Grow Old" entsprechend chillig daher. Ideal, um die letzten Sonnenstrahlen des Sommers 2009 zu genießen und die letzten Grillparties zu feiern. Die Texte beschäftigen sich mit für Reggae typischen Themen. Beispielsweise wird die Sehnsucht nach Afrika, die Veränderung der Welt zum Positiven, Abschied, aber auch die Liebe zu einem Mädchen thematisiert - die Legalisierung von Marihuana fehlt allerdings im Themenbereich ;-). Soundtechnisch klingt Dellé meines Erachtens leicht nach Peter Tosh nach dessen Zeit bei den Wailers. Dass das Album sehr chillig ausgefallen ist, heißt allerdings nicht, dass die Songs kraftlos daherplätschern. Ganz im Gegenteil: "Pound Power", "Cry Out" oder auch "Bad Vibes Champion" kommen im wuchtigen Soundgewand daher, allerdings zählen diese Songs auch zu den "schnelleren" des Albums (wenn es sowas beim Roots-Reggae überhaupt gibt) . Klangtechnisch gibt's übrigens auf dem gesamten Album nichts zu meckern: Klare Sounds, treibende Drums, wuchtige Bässe - alles perfekt aufeinander abgestimmt. Ebenfalls hervorzuheben ist das Frankie Goes To Hollywood-Cover "Power Of Love", das den 80er-Hit in einem neuem, ganz anderen Licht erstrahlen lässt.

Nach dem Ende des 15. Tracks "Head Over Heels" wartet auf den Hörer noch eine Überraschung in Form eines dreieinhalbminütigen Bonustracks, der allerdings völlig aus der Art schlägt: Dancehall meets NuMetal dürfte das Motto dieses Songs gewesen sein - jedenfalls geht er absolut nach vorne in Richtung Moshpit und dürfte dem chillig in der Hängematte liegenden Zuhörer des Albums ordentlich die Gehörgänge durchpusten. Leider konnte ich bisher den Namen dieses Tracks nicht ausfindig machen, aber ich bleibe am Ball.

Insgesamt ist "Before I Grow Old" ein absolut gelungenes Soloalbum von Frank Dellé - für meine Begriffe sogar das stärkste der drei Soloscheiben aus den Seeed-Reihen, wenngleich die drei Alben absolut nicht zu vergleichen sind. Ein viertes Album steht übrigens noch an: Frogg veröffentlicht seine Scheibe am 25. September 2009...

Euer

DJ Martinez

 

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