November 2009:
Brainstorm - Memorial Roots
Nachdem der neue Brainstorm-Silberling auf den 16. Oktober 2009 angekündigt wurde, habe ich - als alter Fan - mir das Album natürlich gleich bei Amazon vorbestellt. Leider wurde die Scheibe zu spät versandt. Hinzu kam noch, dass der Postbote zu dusselig war, das kleine Päckchen in den Briefkasten zu werfen. Stattdessen nahm er es mit auf die Postfiliale nach Neresheim, wo ich es laut Benachrichtigung ab Mittwoch, den 21.10.09, abholen konnte. Voller Freude machte ich am Mittwoch etwas früher Schluss, um noch vor 18.00 Uhr in der Filiale zu sein. Leider hatte ich nicht bedacht, dass die Filiale Mittwoch nachmittags geschlossen hat und so kam ich erst sechs Tage nach dem Erscheinungstermin in den Genuss "Memorial Roots" in den Händen zu halten. (Bei allen Vorteilen eines Online-Versandhandels, hat ein Plattenladen doch auch seine Vorzüge :-) ).
Nachdem mich das Cover des letzten Albums "Downburst" etwas irritierte, staunte ich nicht schlecht, als ich das Artwork von "Memorial Roots" sah. Zwar gibt es meines Erachtens kein einziges schlechtes Brainstorm-Album, bei den Covers haben sie sich jedoch nie wirklich mit Ruhm bekleckert (ACHTUNG: Cover und Aufmachung sind zweierlei Stiefel!!!). Dieses Mal ist es aber anders: Ein wahnsinns Motiv - tolle Farben - das allein erzielt schon Wirkung. Irgendwie kommt ein bißchen Herr-der-Ringe-Feeling auf.
Dementsprechend mystisch klingt auch das Intro zu "Forsake What I Believe", bevor die Jungs aus Heidenheim und Stuttgart das gewohnte Stromgitarrengewand anziehen. Trotzdem ist irgendetwas anders. Die mystische Stimmung des Intros zieht sich durch den gesamten Song. Andys Gesang klingt vertraut, aber trotzdem verändert - sowohl bei den Strophen, als auch im Refrain. Vom Tempo ist der Track eher langsamer. Ich entscheide mich dazu, den Song als genial einzustufen.
Es folgt das schnellere "Shiver". Ja - das sind definitiv Brainstorm. Song drei - "The Conjunction Of 7 Planets" - erinnert am Anfang etwas an Maiden. Die kraftvolle Mid-Tempo-Nummer erzeugt Gänsehaut - ein absolutes Meisterwerk. Das erste, was mir in den Sinn kommt, als ich den nächsten Song "Cross The Line" höre, ist Annihilators "King Of The Kill" - vor allem in den ersten 20 Sekunden. Ein ordentliches Brett. "Nailed Down Dreams" - Nummer fünf - beginnt sehr gefühlvoll, allerdings nicht im Sinne einer Ballade, sondern eher im Stile einer härteren AOR-Nummer, wenngleich dieser Vergleich zugegebenermaßen sehr gewagt (aber absolut nicht negativ gemeint) ist. Sein Nachfolger "Blood Still Stains" bewegt sich ebenfalls im Mid-Tempo, allerdings sehr kraftvoll. Genau die richtige Einleitung für "Ahimsa", bei dem der sympatische Fünfer das Gaspedal wieder so richtig durchtritt. Es folgt das abwechslungsreiche "The Final Stages Of Decay" - ganz großes Kino! "Victims" ist ein eher Brainstorm-untypischer Song: Verzerrter Sprechgesang und monotone Riffs in den Strophen, auf der anderen Seite der für Brainstorm typische melodische Refrain. Hier verschmelzen Grenzen - klasse Song. Track zehn - "When No One Cares" - nimmt das Tempo im Vergleich zum Vorgänger wieder etwas zurück. Dennoch ist der Song voller Energie und genau richtig für alle, die gerne ihre Mähne schütteln. "Would You" beschließt das Album, wenn man sich nicht für die Limited Edition entschieden hat. Doch das wäre aus meiner Sicht ein Fehler, denn sowohl bei "Seems To Be Perfect", als auch bei "Too Late To Deny" hauen die Jungs um den Ausnahmefrontmann Andy B. Franck nochmal sauber auf die Kacke - meines Erachtens sind beide Songs zu gut, als "nur" als Bonustracks veröffentlicht zu werden.
Insgesamt gesehen haben Brainstorm das Tempo auf ihrem neuen Silberling im Vergleich zu den anderen Alben etwas gedrosselt. Das steht ihnen meiner Meinung nach allerdings dermaßen gut, dass "Memorial Roots" in meinen Augen das bisher stärkste Album von Brainstorm ist.
Wer Brainstorm schon einmal live gesehen hat, wird sicherlich nicht daran zweifeln, dass die neuen Songs entsprechend gebührend zelebriert werden. Live sind die Jungs nämlich eine klasse für sich. Wer's nicht glaubt, kann sich auf der aktuellen Tour (übrigens mit Primal Fear) davon überzeugen, beispielsweise am 09.11.2009 in München im Backstage oder am 11.11.2009 in Ludwigsburg in der Rockfabrik.
Nun beende ich meine Ausführungen mit einem Zitat der Protagonisten dieses Tipps: "SPEAK SCHWÄBISCH OR DIE!!!"
Euer
DJ Martinez