März 2010:
Fettes Brot - Fettes
Fettes Brot - Brot
Nachdem in den letzten beiden Monaten aus verschiedenen Gründen kein Tipp des Monats verfasst wurde, gibt's zum ersten Mal in der Geschichte des Monatstipps auf www.dj-martinez.de einen Doppeltipp - quasi als Entschädigung, wobei ich zugeben muss, dass sich die Gelegenheit förmlich aufdrängt.
Warum? Weil Björn Beton, Dokter Renz und König Boris - besser bekannt als Fettes Brot - in diesen Tagen gleich mit
zwei Alben an den Start gehen. "Fettes" und "Brot" wurden beide am 26.02.2010 veröffentlicht und tragen den Untertitel "Übernotwendig! 11 Mann Live, 1 Mio Zeugen". Man muss nicht gerade ein Meister der Interpretationskunst sein, um herauszufinden, dass es sich hierbei um Live-Alben handelt.
Nun stehen ja HipHop-Bands oft in der Kritik, bei Live-Konzerten nur zu Beats, die vom Band kommen, zu rappen und somit eigentlich kaum einen musikalischen Anspruch zu hegen. Doch auch hier erweist sich der Untertitel als hilfreich: Bei den erwähnten elf Mann handelt es sich um die drei MCs, sowie die ausgewachsene Tourband der Brote.
Dementsprechend vielfältig ist auch der Sound auf den beiden Silberlingen. Altbekannte Hits werden im neuen Gewand präsentiert, Samples und Beats werden ohne dabei rot zu werden ausgeliehen und verwurschtelt und Hits von Idolen werden einfach neu interpretiert. Dabei verschmelzen die Grenzen zwischen HipHop, Funk, Rock, Pop, Punk, Jazz, Soul, Ska etc. nahezu beliebig. Beispiele gefällig? Auf dem Album "Fettes" wird unter "Erdbeben" einfach der Beat von Mr. Oizos "Flat Beat" gelegt, "Jein" leiht sich das ein oder andere Daft Punk-Sample aus, "Der beste Rapper Deutschlands" wird im Ska-Gewand eingekleidet, Rio Reisers "Ich bin müde" wird neu interpretiert und mit "Hamburg Calling" verneigen sich die Brote vor dem The Clash-Klassiker "London Calling". Ebenfalls auf der blauen Platten enthalten: Eine Crossover-Version von "Da draußen", das überragende "Schwule Mädchen" aber auch ernste und ruhigere Titel wie "Ich lass Dich nicht los", "An Tagen wie diesen" oder "Automatikpistole".
Für "Brot" oder auch die orangene Scheibe gilt prinzipiell das gleiche. Auch hier findet der Hörer Songs (bzw. deren Adaptionen) aus allen Schaffensperioden der Brote und Publikum und Band gehen äußerst beherzt zur Sache. Hier zu erwähnen sind die Tracks "1€ Blue$", "Die meisten meiner Feinde", "Emanuela", das genauso geniale wie witzige Spiel mit dem Publikum bei "Können diese Augen lügen?", "The Grosser" und das abschließende "Nordisch by Nature", das mit einer Verneigung vor Frank Sinatra eingeleitet wird.
Alles in Allem handelt es sich sowohl bei "Fettes", als auch bei "Brot" um erstklassige Live-Alben in hervorragendem Sound mit toller Songauswahl und fast nicht zu übertreffendem Spaßfaktor beim Hören. Allerdings hat sich mir bisher noch nicht erschlossen, warum hier zwei einzelne Alben anstatt eines Doppel-Albums veröffentlicht wurden, und wenn man dann noch bedenkt, dass beide Scheiben zum vollen Album-Einzelpreis im Handel erhältlich sind, hätte man auch die Aufmachung der Alben etwas aufwändiger und liebevoller gestalten können - allerdings bezieht sich diese Aussage nicht auf die Booklets, denn die sind voll mit Fotos vor und hinter den Kulissen.
Wenn sich nun jemand aber beispielsweise aufgrund knapper Kassen nur ein Album beschaffen möchte, so empfehle ich "Fettes", also die blaue Scheibe. Die macht dann allerdings so viel Laune, dass man sich sicherlich zu einem späteren Zeitpunkt auch "Brot" leisten wird...
Euer
DJ Martinez